Fritz von Uhde (1848-1911)
Die Kinderstube, 1889
Öl auf Leinwand; 110x138 cm
Kunsthalle, Hamburg



    "Der Münchner Maler Fritz von Uhde gibt uns eine Vorstellung davon, wie ein Kinderzimmer in der Stadt im Jahre 1889 aussah. Es ist ein geräumiges Zimmer, in dem die drei Kinder des Künstlers wohnen und auch spielen.
    Fritz von Uhde hatte bereits als Jugendlicher den Wunsch, Maler zu werden. Mit 18 Jahren besuchte er auch die Kunstakademie in Dresden. Aber dort gefiel es ihm überhaupt nicht. Die Art, in der an dieser Akademie unterrichtet wurde, erschien ihm zu verstaubt, so daß er kaum ein Jahr dort blieb. Er wurde Offizier, und diesen Beruf übte er bis zu seinem dreißigsten Lebensjahr aus. In Paris lernte er die Malerei der französischen Impressionisten kennen.
    Diese Malerei, die die Gegenstände in ihrem farbigen Reichtum in einer natürlichen Beleuchtung, möglichst im hellen Sonnenlicht, wiedergab, beeindruckte ihn sehr. In München, wo Uhde fortan lebte und malte, wurde er zu einem Verfechter der impressionistischen Malweise in Deutschland.
    Das Kinderzimmer ist ein lichterfüllter Raum, und die Personen, die sich hier aufhalten, werden ebenf alls von diesem Licht erfaßt. Die Spielsachen der Mädchen liegen auf dem Fußboden und auf dem Tisch umher. Wie alle Mädchen spielen auch diese drei mit Puppen und Puppenwagen, aber auch kleine Spielzeughäuser und Bäumchen befinden sich zwischen den Puppensachen. Die Kinder und deren Kinderfrau fühlen sich völlig unbeobachtet, jeder geht seiner Beschäftigung nach. Nur die Kleinste, die gerade ihrer Puppe das Laufen lehrt, schaut freundlich aus dem Bild. Durch die ungezwungene Haltung der Dargestellten und die natürliche Wiedergabe des Lichtes ist es dem Künstler gelungen, die Situation sehr lebendig zu schildern."
    (Frenzel, Rose-Marie: Beim Spiel. Leipzig 1978. Lizenzaugabe Frankfurt/M. 1978, S.23f.)