Pieter de Hooch (1629-1684)
Die Mutter, um 1659/60
Öl auf Leinwand; 92x100cm
Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin



    "In einem behaglich eingerichteten Schlafraum sitzt eine Mutter an der Wiege ihres Kindes und schnürt ihr Mieder. Dabei lächelt sie in die Wiege hinein, in der, für den Betrachter verdeckt, ihr Kind schlummert.
    Die weitgeöffnete Tür gibt den Blick frei in den angrenzenden Hausflur. Hier steht ein kleines Mädchen, adrett gekleidet mit langem Rock und Schürze, Schultertuch und Häubchen, steht ruhig, von Wärme und Licht beschienen, in der halboffenen Haustür, die das helle Sonnenlicht hereinfluten läßt.
    Sonne und Licht aus einem hochgelegenen Fenster erhellen mit gedämpftem Schein auch die liebevolle Mutter an der Wiege. Das Gemälde gibt eine anschauliche Vorstellung von der Einrichtung eines holländischen Bürgerhauses im 17. Jahrhundert.
    Die Mutter sitzt vor dem Alkovenbett, dessen gestreifter Vorhang, zur Seite gezogen, ein Stück von Laken, Wolldecke und der mit Delfter Kacheln belegten Rückwand freigibt. Man erblickt die Bettpfanne aus Messing, den dreibeinigen Konsoltisch mit Kerze, Buch und Deckelkrug, man erfährt auch, wo Bilder damals aufgehängt wurden: über dem Bett, über der Tür, im Vorflur. Friedvolle Häuslichkeit ist der Inhalt dieses Gemäldes von Pieter de Hooch (1629-1684), der zunächst in Delft wohnte, wo er heiratete und sieben Kinder bekam, dann die letzten zwanzig Jahre seines Lebens in Amsterdam verbrachte.
    Die holländische Gesellschaft maß der Familie und einem geordneten häuslichen Leben große Bedeutung bei. Das erklärt auch des Künstlers Vorliebe für die Behandlung von Mutter-und-Kind-Themen. Das Berliner Bild, vom Kunsthistoriker Hofstede de Groot als das beste Gemälde bezeichnet, das sich von Pieter de Hooch in Deutschland befindet, ist ganz von der Mütterlichkeit der Zentralfigur geprägt. Diese Frau, in der Zufriedenheit der Pflichterfüllung dargestellt, wird auch eine vorbildliche Erzieherin ihrer Kinder sein - in diesem Sinne ist die Intention des Bildes zu verstehen."
    (Gersdorff, Dagmar v.: Kinderbildnisse aus vier Jahrtausenden. Berlin, 2.Auflage 1989, S.18f.)