Albert Anker (1831-1910)
Turnstunde in Ins, 1879
Öl auf Leinwand; 96x147,5cm
Privatbesitz
"Das Turnen wurde unter den unterschiedlichsten Zielsetzungen in die Schulen aufgenommen. 'Praxis' und 'Leben' brachte es in die Schule insofern, als es einen Ausgleich bot zu dem stundenlangen Stillsitzen, der einseitig geistigen Beanspruchung und der Vernachlässigung des Leiblichen. Dann aber auch noch in Beziehung zu einer anderen Dimension der Lebenspraxis des vergangenen Jahrhunderts - gewichtige Fürsprecher des Turnunterrichts in der Schule waren die Militärs und die Kriegsminister, die im Schulturnen einen Beitrag zur Wehrertüchtigung sahen.
In Ankers Turnstunde von 1879/80 ist der zuletzt erwähnte Aspekt des Schulturnens nicht zu übersehen, vielleicht auch gerade deshalb, weil sich der Unterricht in der sommerlich-heiteren und friedlichen Umgebung eines Dörfchens abspielt. In zwei Reihen sind die Buben angetreten und üben abwechselnd den Gleichschritt nach dem Kommando und dem Taktschlag des Lehrers. Die Turngeräte, die vor dem neuen Schulhaus aufgebaut sind, lassen uns vermuten, was in den Turnstunden sonst noch alles geboten war. Die Mädchen sind am Turnunterricht nicht beteiligt, für sie steht statt dessen irgendwann das Fach Hausarbeit auf dem Stundenplan. Die beiden alten Bauern schauen dem neumodischen Treiben auf dem Schulhausplatz interessiert zu, in ihrer Schulzeit hat es so etwas noch nicht gegeben."
(Schiffler, H./Winkeler, R.: Tausend Jahre Schule. Stuttgart/Zürich, 4.Aufl.1994, S.115)
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