Benjamin Vautier (1829-1898)
Die Nähschule, 1859
Öl auf Leinwand; 72x64cm
Kunstmuseum, Düsseldorf
"Das ... Bild von Benjamin Vautier spiegelt etwas vom Wesen der Nähschule wider, wie sie sich die Zeitgenossen vorgestellt haben mögen. Die schulpflichtigen Mädchen des Dorfes kamen am Nachmittag oder am Abend in der Schule oder in einer Wohnstube zusammen, um das Nähen, das Stricken oder das Spinnen zu lernen. Ihre 'Lehrerin' war eine in den Handarbeiten bewanderte und ehrsame Frau, häufig die Frau oder eine Verwandte des Schulmeisters, nicht selten auch eine ältere Witwe, deren Altersversorgung auf diese Weise verbessert wurde. Die Nähschulen hatten wie andere vergleichbare Einrichtungen zunächst die Aufgabe, in Verbindung mit der Schule und mit Unterstützung des Lehrers unmittelbar lebenspraktische Fähigkeiten zu vermitteln. Da sie durch die Gemeinden oft nicht die erforderliche Unterstützung erhielten, ihr pädagogischer und wirtschaftlicher Wert unter Fachleuten aber unbestritten war, wurden zwischen 1850 und 1870 ihre Aufgaben teilweise in die Volksschulen übernommen. Ein neues Unterrichtsfach, der Handarbeitsunterricht, war entstanden."
(Schiffler, Horst/Winkeler, Rolf: Tausend Jahre Schule. Stuttgart/Zürich 1985, S.114)
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