Nicolaes Maes (1634-1693)
Die Spitzenklöpplerin, 17.Jhdt.
Öl auf Leinwand; 45x53cm
Metropolitan Museum of Art, New York
"Von allen Nadelarbeiten ist die Klöppelkunst wohl eine der anspruchsvollsten in der Ausführung. Monoton und die Geduld auf eine harte Probe stellend, erfordert sie Geschicklichkeit, Konzentration und Ausdauer. Um in Ruhe arbeiten zu können, ohne durch ihr Kind dabei gestört zu werden, hat unsere Mutter hier auf eine Art hohen Kinderstuhl als Hilfsmittel zurückgegriffen, wo ihr kleiner Junge sicher aufgehoben ist. Er scheint jedoch von dieser Maßnahme überhaupt nicht begeistert zu sein, denn er hat schon alle Spielsachen um sich herum auf den Boden geworfen. Und es ist ganz klar, daß die Mutter unter diesen Umständen ihre Arbeit wohl kaum viel länger fortsetzen kann.
Die niederländische Genremalerei, von der sich das Werk von Nicolaes Maes jedoch absetzt, zeugt von dem Interesse, das die Gesellschaft im 17. Jahrhundert dem familiären Alltagsleben beimaß. Die Frau wurde für ihre Sorgfalt, die sie bei der Erziehung gehorsamer Kinder an den Tag legte, und für ihre Bemühungen, ein anheimelndes und wohlgeordnetes Heim zu schaffen, durchaus anerkannt. Ein Reisender zu jener Zeit berichtet, wie sehr ihn einerseits die Ordnung und Sauberkeit niederländischer Häuser beeindruckt hätte, zum andern aber auch die Art, in der die Frauen ihre Ehemänner zu beeinflussen schienen. Johan van Beverwijk stellt in der Folge eine für die Zeit recht kühne Behauptung auf: 'Glauben Sie etwa, die Frauen seien nur fähig, den Haushalt in Schuß zu halten, nichts weiter? ... Lassen Sie nur eine Frau sich in anderen Lebensbereichen bewähren, und sie wird sich als zu allem fähig erweisen!'
Die Handarbeit, die unsere Spitzenklöpplerin ausführt, mag entweder zum häuslichen Gebrauch gedient haben, kann aber auch eine im Akkordlohn bezahlte Heimarbeit darstellen, um mit zum Lebensunterhalt beizutragen. Zumeist völlig unterbezahlt, bot die Heimarbeit (Spitzenherstellung, Konfektion von Hüten, Handschuhen, Kleidern oder anderem) den Frauen doch den Vorteil, den Ansprüchen, die ihre Kinder an sie stellten wie auch den übrigen häuslichen Aufgaben gerecht zu werden."
(Tobey, Susan Bracaglia: Art of Motherhood. München 1992, S.102/104)
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