Pieter de Hooch (1629-1684)
Frau beim Apfelschälen, um 1660
Öl auf Leinwand; 70,5x54cm
Wallace Collection, London



    "Die apfelschälende Frau Pieter de Hoochs ist die Verkörperung der niederländischen Frau des 17. Jahrhunderts schlechthin: sie ist uneingeschränkte Herrscherin in ihrem gepflegten Reich, das vor Sauberkeit nur so glänzt, wo das Feuer im Kamin ordentlich brennt und das Sonnenlicht durch strahlend blanke Fenster in Fluten einfällt. Auch widmet sie sich beispielgebend ihrer vorrangigen Aufgabe, der Erziehung der Kinder. Um mit einer ihrer zahlreichen Pflichten schneller fertig zu werden, hat sie ihre kleine Tochter zu Hilfe geholt, die, hübsch gewandet, aber kaum viel mehr zu tun zu haben scheint als die Apfelschalen entgegenzunehmen, bevor sie zu Boden fallen können.
    Die Aufgaben der vollkommenen Mutter beschränkten sich nicht darauf, Anleitung zu häuslicher Arbeit zu geben, wie die niederländische Malerei ein ums andere Mal belegt. Sie umfaßten auch Unterricht im Lesen, Schreiben und rechten Beten sowie die Unterweisung in der Heiligen Schrift.
    Gemäß den äußerst strengen calvinistischen Vorschriften, die jedem Nüchternheit, Einfachheit und Zurückhaltung auferlegten, nahm eine strenge häusliche und gesellschaftliche Lebensgestaltung zu jener Zeit unerträglich übersteigerte Dimension an. Ja, man hatte sogar schon Orgelmusik und Kirchenlieder während der Messe abgeschafft, da sie Aufruhr und Genußsucht Vorschub leisten würden.
    Bezüglich dieser Tatsache ist es aufschlußreich, die Reaktion eines französischen Reisenden festzuhalten, der 1678 die Niederlande besuchte. Er merkte an, die Niederländer verwöhnten und verdürben ihre Kinder, indem sie in deren Verhalten 'völliges Durcheinander' erzeugten, wie er sich ausdrückte. Gleich darauf nahm er das Gesagte jedoch schnell wieder zurück und lobte die 'natürliche Güte der Bewohner dieses Landes und die Vortrefflichkeit ihres Charakters'."
    (Tobey, Susan Bracaglia: Art of Motherhood. München 1992, S.109)